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Im Park der Götter
Sieben Tage zu Fuß durch die Wildnis des Valhalla Provinz Parks in British Columbia


Valhalla ist in der nordischen Mythologie die Toten- oder Ruhmeshalle des Kriegsgottes Odin. Hier werden die heldenhaftesten menschlichen Krieger von himmlischen Jungfrauen mit Met und Braten bewirtet und warten darauf, den Göttern im Kampf gegen feindliche Dämonen beizustehen. Der Sage nach endet diese Schlacht mit einer gewaltigen Feuersbrunst und dem Untergang der Welt.

Hätte Odin selbst die Erde nach einem Platz für Valhalla abgesucht, in der unberührten Bergwelt der Kootenays im Süden von British Columbia hätte er ihn gefunden. Der Valhalla Provinzpark ist 49.600 Hektar groß und von atemberaubender landschaftlicher Schönheit. Er erstreckt sich vom fjordartigen Slocan Lake, der eingebettet in steile Berghänge zu seinen Füßen liegt, über dichten Regenwald aus jahrhundertealten Zedern und Tannen bis in die alpine Region jenseits der Baumgrenze. Hier liegen abgeschiedene Hochtäler mit azurblauen Seen, eingerahmt von bis zu 2700m hohen Bergen mit den nordischen Namen Odin, Freya, Dag, Njörd, Gimli, Asgard, Midgard.

In der letzten Juliwoche des Jahres 2003 haben wir zu viert den Park der Götter von Süden nach Norden durchwandert. In sieben Tagen haben wir rund 50km und ca. 6000 Höhenmeter an Auf- und Abstiegen gemeistert. Unsere Route durch die wilde Bergwelt mußten wir mit topographischen Karten und Höhenmesser finden. Immer wieder gab es schwierige Kletterpassagen über gewaltige Geröllhänge steile Pässe hinauf und über Schneefelder und loses Gestein in tiefe Täler hinab. Wir haben Wasserläufe und sumpfige Wiesen durchquert und uns durch fast unzugänglichen Wald und dichtestes Gestrüpp durchgeschlagen, bevor wir wieder in Regionen oberhalb der Baumgrenze aufsteigen konnten. An Tagen, an denen wir bis zu 10 und 12 Stunden auf den Beinen waren, haben uns die Hitze, unsere schmerzenden Füße, der harte Druck des schweren Rucksacks auf den Schultern und Millionen von Moskitos nach Sonnenuntergang besonders zugesetzt.

Doch durch die wilden Landschaften, in die kaum jemals ein Mensch vordringt, wurden wir für alle Strapazen überreich entschädigt. Wir haben strahlende Tage mit tiefblauem Himmel erlebt und an verwunschenen Seen inmitten märchenhafter Blumenwiesen campiert, die man schöner nicht malen kann. Tagsüber lag die Welt zu unseren Füßen, und nachts war über uns ein Sternenhimmel, wie man ihn nur inmitten der Natur sieht. Wir haben das reinste Wasser getrunken und die sauberste Luft geatmet, die es nur geben kann und sind Murmeltieren, Adlern, Hirschen und Bergziegen begegnet.


Interessant war es für jeden, das Maß der eigenen körperlichen und seelischen Belastbarkeit unter einen solchen Anstrengung erfahren zu haben, aber auch die gute menschliche Begegnung in einer Gruppe, in der man aufeinander Rücksicht nimmt, sich gegenseitig motiviert und miteinander teilt. An Abenden fernab der Zivilisation, wenn sich Erschöpfung und Entspannung breit machen, gibt es besonders intensive Gespräche, Spaß, Lachen und menschliche Nähe. Als wir aus der Wildnis in die Menschenwelt zurückkamen, waren in diesem extrem heißen und trockenen Sommer in British Columbia viele gewaltige Feuer ausgebrochen. Riesige Landstriche wurden verwüstet, Hunderte von Häusern sind abgebrannt, 50.000 Menschen mußten evakuiert werden, unzählige wilde Tiere kamen zu Schaden und haben ihren Lebensraum verloren. Wie durch ein Wunder blieb der Park der Götter verschont - wir können im nächsten Sommer nach Valhalla zurückkehren.

Elisabeth von Ah


Valhalla Traverse - Karte

Earl Grey Pass Trail - Über die Purcell Mountains 2002

Kootenay-Winter - Photo-Impression

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