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Earl Grey Pass Trail - Über die Purcell Mountains 2002 |
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Der Earl Grey Pass Trail ist eine echte Herausforderung - selbst für ambitionierte und erfahrene Wanderer. 61km sind durch die Wildnis der Purcell Berge zu bewältigen, 1525 Höhenmeter müssen erklommen, zahlreiche Creeküberquerungen gemeistert werden. Ab dem 3.Tag verliert sich der anfänglich gut auszumachende Trail oft im Dickicht; von nun an muß nicht nur genau navigiert werden, sondern es beginnt auch der Kampf gegen Gestrüpp, Steinlawinen und sich selbst. Es heißt, daß der Indianer Kinbasket in den Anfängen des 19.Jahrhunderts zum ersten Mal Fremde entlang des Hamill Creeks über den Pass der Purcell Gebirgskette führte, von Argenta am östlichen Ufer des Kootenay Lakes bis in die Gegend des heutigen Invermere. Die Nachricht von Bodenschätzen in der Gegend löste zwischen 1890 und 1910 einem Boom aus, der zahlreiche Minensucher in die Gegend brachte. Für Marion, Andreas und Hartmut aus Hamburg, die bereits mehrfach die Kootenays besucht und erwandert hatten, sollte das Bezwingen des Earl Grey Pass Trails der Höhepunkt ihres Sommerurlaubs 2002 werden. Henry, Schweizer, der seit 35 Jahren in Kanada lebt, war mit von der Partie. Er ist ein Mann der Wildnis und kennt die Kootenays wie seine Westentasche. Gemeinsam wurde die Wanderung geplant und vorbereitet. Der größte Teil des Proviants sowie der größte Teil der Ausrüstung kamen aus Deutschland im Fluggepäck mit. Ausgangsbasis war Haus Meadow Creek in Howser. Während Marion und Hartmut die letzten Vorbereitungen trafen und frische Verpflegung für die ersten beiden Tage zubereiteten, brachten Henry und Andreas Henrys Auto zum Endpunkt der Wanderung. Dazu waren 2 Fahrzeuge im Einsatz, rund 1500 Kilometer mußten gefahren werden, und mit den zwei Seeüberquerungen kostete das Ganze einen langen Tag und einiges an Benzin. Und das, wie Andreas später mit seinem GPS-Gerät feststellte, für eine Luftliniendistanz von wenig mehr als 30 km zwischen Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung. Das sind kanadische Entfernungen, und sie machen die Bedeutung des Trails in der Minenzeit deutlich. In Argenta ging’s los. Das Registrierbuch am Trailanfang zeigte, daß diese Gruppe die erste des Jahres war. Das Frühjahr war regnerisch gewesen, auf den Bergen lag noch lange Schnee, die Creeks führten gewaltige Mengen Wasser. Erst wenige Tage vor Beginn der Wanderung am 11.Juli setzte sich der heiße und trockene Kootenaysommer durch.
Am Anfang führt der Trail nur langsam ansteigend durch dichten Zedernwald. Cabins und Minengerät erzählen aus der Vergangenheit, und man staunt, welche Anstrengungen die Menschen vor 100 Jahren auf sich genommen haben, um an die Silbererze zu gelangen. Immer wieder wechselt der Weg das Ufer des Hamill Creeks, doch in den ersten Tagen kann man mit Cable Cars bequem über den Fluß kommen. Nach der 6. Cable Car bei Kilometer 27 jedoch beginnt die eigentliche Herausforderung. Von nun an können zahlreiche Creeks nur über glitschige Baumstämme balancierend überquert werden. Wenn auch diese fehlen, muß man zu Fuß durchs Wasser; einzige Sicherheit bot manches Mal nur ein Baum, den man heranschleppen und als Handlauf mühsam in Position bringen mußte. Dennoch, Ausrutscher sind leicht möglich, und eine geflutete Kamera und eine verloren gegangene Dose Bärspray sind der Preis, den die Gruppe dem Gott der Gebirgsbäche zahlen mußte.
Nach 35 km steigt der Trail dann gnadenlos an. Henrys Auto hatte brav gewartet und brachte die von der Tour begeisterten Wanderer zurück nach Haus Meadow Creek. "Wir kommen nächstes Jahr bestimmt wieder", meinte Andreas zum Abschied, und Marion ergänzte: "Du kannst dir ja schon mal eine schöne Wochenwanderung überlegen." "Nichts leichter als das", lachte Henry, "wie wär’s mit der Valhalla Traverse?" "Abgemacht!" Und die Sache war beschlossen. Elisabeth von Ah
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